Dienstag, 11. April 2017

Nach Pnom Penh und zur Grenze

,Am Samstag um 8.30 Uhr ging es los mit dem Bus nach Phnom Penh. Für die 160km waren sechs Stunden einkalkuliert. Wir fuhren ohne Reiseleitung, Mussten uns also bei der Pause im Lokal selbst zurecht finden. Einige Wagemutige von uns versuchten sich an den massenhaft dargebotenen Krustentieren. Insekten sollen ja wegen ihres Chininpanzers so nahr- und schmackhaft sein. Wir waren uns einig: Heuschrecken schmecken mit Abstand am besten, besonders, wenn sie gut gewürzt sind.
Phnom Penh ist so benannt nach dem Hügel, auf dem Frau Penh einen Buddha fand. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Tonle Sap und Mekong und wurde erst relativ spät unter französischer Kolonialherrschaft zum Verwaltungszentrum für Indochina ausgebaut. Während der Khmer Herrschaft 1975 bis 1978 wurde die Stadtbevölkerung aufs Land umgesiedelt. Pol Pot schwebte das Ideal eines Bauernstaates vor, aus dem alle Zeichen von Modernität entfernt wurden. Kultursymbole wurden zerstört, wie es jetzt wieder der IS praktiziert. Brillenträger waren als Intellektuelle verdächtig und wurden zur Umerziehung in die Reisfelder geschickt. 
Im Unterschied zur Chinesischen Kulturrevolution aus den Sechziger Jahren, bei der auch mehrere Millionen Menschen umgekommen sind, erledigte das Pol Pot Regime seine Umerziehungsarbeit weit radikaler. Die Menschen starben nicht nur an den Strapazen in den Lagern, sie wurden massenhaft zu Tode gequält und auf den "Killing Fields" in Massengräbern verscharrt. Ein Viertel der Bevölkerung, ca 3 Millionen Menschen wurde umgebracht. 
Wir besuchten das berüchtigte Foltergefängnis S21, in dem jeder Gefangene bis zum Geständnis gefoltert und dann umgebracht wurde. Alles wurde minutiös protokolliert. Interessant ist, dass Pol Pot und seine Genossen in Frankreich ausgebildete kommunistische Intellektuelle waren.
Das Terrorregime wurde schließlich durch eine vietnamesische Militärintervention 1978 beendet. Die Roten Khmer führten den Kampf aus dem Dschungel heraus als Guerrilla Krieg bis 1998 weiter. Nach dem Tod Pol Pots verhandelte die Führungsgruppe mit der kambodschanischen Regierung über eine Aufgabe des Guerrilla Kampfes gegen Straffreiheit. Die wurde wohl zugesichert. Dennoch kam es 2007 auf internationalen Druck hin zu einem Prozess gegen die Anführer der Roten Khmer. Nur zwei Personen wurden des Genozids für schuldig befunden. Viele andere entgingen wegen Verhandlungsunfähigkeit dem Urteil.
Interessant ist, dass sich die Dankbarbeit der Kambodschaner gegenüber den Vietnamesen wegen der Befreiung vom Genozid in Grenzen hält. Vielmehr wird die Militärintervention 1978 als Okkupation bezeichnet und die seitdem regierende Partei CCP unter Ministerpräsident Hun Sen als Marionettenregierung der Vietnamesen. Die Kambodschaner pflegen den Vietnamesen gegenüber solch eine Lieblingsfeindschaft, wie es umgekehrt die Vietnamesen gegenüber den Chinesen tun. Den Vietnamesen wird unterstellt, dass sie billiges Land in Kambodscha aufkaufen, lukrative Geschäftsbetriebe sich unter den Nagel reißen und in jeder Hinsicht von der Hun Sen Regierung protegiert werden.
Eine Aussöhnung des Landes scheint mir in weiter Ferne zu liegen.
Phnom Penh ist eine moderne Stadt mit viel Autoverkehr und zur Schau gestelltem Luxus. Wir besichtigten den Königspalast und das Nationalmuseum. Davon noch ein paar Bilder. Und danach fuhren wir mit dem Schnellboot auf dem Mekong zur Grenze.

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